Stechlinstitut Stechlinstitut Haus - Stechlin Institut

schræg denken.sozial handeln

Mitten im Wald und nahe des glasklaren Stechlinsees, 80km nördlich von Berlin, steht das ehemalige Gutshaus Neuroofen dem Stechlin-Institut zur Verfügung.
Wir bieten einen Ort ohne Vorurteile, ein Haus voller Perspektiven, um sozial engagierten Menschen Raum zum Austausch, zur Reflektion und Weiterentwicklung in der Gelassenheit der Natur zu geben.
Das Stechlin-Institut ermöglicht Erfahrungen an der Schnittstelle von Neugier, Kunst und Gesellschaft, um durch ungewohnte Perspektiven soziales Engagement zu befördern.

Wir sind überzeugt von der Kraft künstlerischen Denkens und sozialen Engagements. Quer zu denken und vermeintlich Unverrückbares in Frage zu stellen sind eine Notwendigkeit und Ressource zur positiven gesellschaftlichen Veränderung.

 


Konzept

Mitten im Wald und nahe des glasklaren Stechlinsees, 80km nördlich von Berlin, befindet sich das ehemalige Gutshaus Neuroofen. Unser Ziel ist es, das Gutshaus zu einem Ort zu entwickeln, an dem Initiativen und Künstler*innen zusammen leben und arbeiten können. Ein inklusiver Ort, der als Keimzelle sozialen Wandels und zur Stärkung der Selbstfürsorge der einzelnen Verantwortungstragenden wirkt. Engagierte Gruppen wie singuläre Akteur*innen können sich für eine begrenzte Zeit hier aufhalten, inhaltlich und sozial austauschen und in der achtsamen Atmosphäre des Ortes wirklich begegnen. Als Bewohner*innen des Hauses erfahren sie künstlerisches Denken als die das Stechlin-Institut gestaltende und sich am Ort vermittelnde Haltung. Der Übertrag dieses achtsamen Zusammenlebens und Abstand zum Alltäglichen ermöglicht Perspektivwechsel und wirkt fördernd auf die Problemlösungskompetenzen der Einzelnen.

2017 und 2018 werden wir das Gutshaus während der warmen Monate in seiner ursprünglichen rauen Ästhetik durch Kurzzeitstipendien für Non-Profit-Organisationen und Künstler*innen im Rahmen der Stechlin-Dialoge nutzen. Zwischen 2018 und 2019 soll es behutsam zu einem barrierefreien Ort umgebaut werden, um ganzjährig der Begegnung und dem Rückzug von Künstler*innen und Akteur*innen im sozialen Feld zu dienen. Menschen, die gemeinsam mit Freude daran arbeiten, Wirklichkeit nachhaltig zu gestalten. Daher besteht unser Angebot nicht in einem Programm, sondern in einem Ort, der die Protagonist*innen zur maximalen Offenheit aufruft. Einem Ort der Geborgenheit und aufrichtigen Aufmerksamkeit gegenüber sich selbst und dem Anderen, gegründet auf der Überzeugung, dass die Menschen bereits in sich tragen, was sie brauchen.

Mehr dazu im Interview mit tbd*

Erzählt uns ein wenig von eurem Projekt. Was hat es damit auf sich?
Nur eine gute Stunde von Berlin, mitten im Wald und nahe des klarsten Sees Norddeutschlands – dem Großen Stechlinsee – liegt das Stechlin-Institut in einem alten Gutshaus. Diesen Ort stellen wir gemeinnützigen Initiativen, SozialunternehmerInnen und KünstlerInnen für kürzere Arbeitsaufenthalte zur Verfügung. Das Stechlin-Institut ist ein idealistisches Projekt, das aus großer Naivität entstanden ist, weil wir der Meinung waren, dass wir als KünstlerInnen die Welt verbessern müssen, dass wir da echt etwas beizutragen haben. Innerhalb des bestehenden Kunstsystems haben wir keine Möglichkeit gesehen.
Wir verstehen das Stechlin-Institut als Hybrid zwischen einem Kunstwerk, das durch die Teilhabe aller entsteht, und einem ganz phantastischen Ort, der engagierten Menschen für Klausur, Entspannung und Austausch gewidmet ist. Neben den Initiativen leben hier sozial engagierte Künstler*innen. Für 3-10 Tage teilt man sich Raum und Zeit. Uns liegt viel daran, Menschen zusammenzubringen und sie dabei zu unterstützen, ihre Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Wie Cornelius Castoriadis sind wir überzeugt von der “schöpferischen Einbildungskraft des Menschen als unerschöpfliche Quelle von Neuem und nie erlahmende Triebkraft der Selbstveränderung einer Gesellschaft.” Und das betrifft eben nicht nur die Künstler*innen. Künstlerisches Denken ist ein emanzipatorischer Prozess. Es verändert nicht, was störend ist – es schafft eine andere Perspektive darauf.

Ihr sprecht davon, soziales Engagement zu fördern, wie kann man sich das vorstellen?
Die Zahl der sozial engagierten Menschen in Deutschland wächst. Diese Leute stecken all ihre Ressourcen in die Arbeit, für die sie brennen, und überwinden mit ihrer Energie und Freude große Hürden. Durch ihr Wirken wird die Gesellschaft gestaltet. Gleichzeitig brauchen auch Engagierte langfristig Selbstfürsorge, Stärkung und Ermutigung, damit ihnen nicht die Luft ausgeht. Joana Breidenbach, Co-Gründerin von betterplace.org, hat das kürzlich auf tbd* ziemlich gut beschrieben.
So ein Ort, an dem die Leute in eine neue Verbindung zu sich, zueinander, mit KünstlerInnen und auch mit anderen Initiativen kommen können, ist eine wunderbare Situation, um Kraft zu tanken, um sich der Selbstfürsorge zu widmen, sich zu konzentrieren, aber eben auch, um neue Impulse zu bekommen. Das alte Gutshaus, umgeben von Wald und Wiesen und in der Nähe zum glasklaren Stechlinsee, eignet sich dafür perfekt.

Was war die Motivation dahinter, das Stechlin-Institut zu gründen?
Wir wollen unsere Handlungsspielräume als Künstler*innen verändern. Statt im weitesten Sinne ‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍‍Objekte für den Kunstmarkt zu produzieren, wollen ‍wir uns mit unserer Arbeit gesellschaftlich engagieren. Uns hat das symbolische Arbeiten einfach nicht mehr genügt – nur aufzuzeigen und Lärm zu machen. Mit dem Stechlin-Institut wollen wir einen Ort schaffen, an dem Leute wirklich miteinander reden, der das Beste in ihnen hervor lockt. Helfende in sich zu stärken und daran zu erinnern, dass sie die Autoritäten sind für das, was möglich ist, hat auf gesellschaftlicher Ebene einen Riesenimpact für die Lösung sozialer Probleme. Wir wollten etwas verändern, wir wollten etwas tun. Mit dem Haus können wir unsere Kunst wirksam werden lassen.

Wie können Sozialunternehmer*innen von eurem Angebot profitieren?
Wir sehen da zwei wesentliche Aspekte: Einerseits der Rückzug, persönlich wie auch als Gruppe, die konzentrierte Arbeit, das Eingebettet-Sein in eine wunderbare Natur. Andererseits finden wir den Dialog für die Entwicklung neuer Perspektiven wichtig.
Das Stechlin-Institut hat für ungefähr 15 Leute Platz. Bis Oktober werden noch Termine zwischen 3 und 10 Tagen vergeben. Der Aufenthalt kostet ab 12 Euro pro Nase und Tag. Wenn eine andere Gruppe mit dazukommt, finden wir das toll. Dann kostet das nur 10 Euro. Meldet euch einfach bei uns!
Bisher waren vor allem Berliner Organisationen und Künstler*innen da. Wir sind glücklich über die ersten begeisterten Rückmeldungen der Teams von betterplace.org, der Open Knowledge Foundation und dem Impact Hub Berlin.

Was waren die größten Hürden, die ihr bei der Gründung des Instituts bewältigen musstet, und wie habt ihr diese Hürden gemeistert?
Die große Hürde, die wir gemeistert haben, war der Erwerb des Gutshauses, das jetzt für das Stechlin-Institut zur Verfügung steht. Wir hatten überhaupt kein Geld dafür und sind dann auf die Stiftung Edith Maryon gestoßen, die Grundstücke aus dem spekulativen Kreislauf herausnimmt und an gemeinnützige oder kulturelle Träger weitergibt. Jetzt können wir die nächsten 99 Jahre mit Haus und Grundstück arbeiten.

Was möchtet ihr sonst noch mit unserer Community teilen?

Wir hatten alle einen Traum. Mittlerweile träumen wir nicht mehr, wir haben begonnen etwas zu tun. Wir bewegen und verändern. Wir sind hier, das ist unser Leben. Lasst uns zusammensein, einander beistehen und unsere Erfahrungen austauschen.
Das Stechlin-Institut ist Euer Ort, wenn ihr dringend ein paar Tage raus müsst, um für euch zu sein, um miteinander zu sein – um für ein paar Tage an etwas zu arbeiten und mit Abstand und Ruhe Kraft für die nächsten Aufgaben zu schöpfen.

1.August 2017

Hier das Interview direkt bei tbd*


Ort

Der Ort ermöglicht Rückzug und Öffnung – die Gemeinschaft bietet Motivation und Perspektive. Dies ist die Basis, auf der ihr aufgefordert seid, euren Aufenthalt mit eurem Engagement selbst zu gestalten.

Das Haus

Es ist ein altes Haus, das auch bei heißem Wetter kühl bleibt. Es hat pro Etage eine Fläche von rund 200 Quadratmetern. Momentan werden zwei Etagen zum Wohnen/Leben genutzt. Es gibt Betten für 15 Leute. Die Hauptetage kann beheizt werden, der Dachboden (hauptsächlich Schlafraum) ist noch ungedämmt.
Das Wifi ist ein Breitbandanschluss, mobiler Datenempfang ist allerdings eher mau. Noch ist das Haus nicht barrierefrei.

Die Räume

Die meisten Räume sind groß und offen – Einzel- oder Doppelzimmer gibt es nicht. An den Esstisch passen alle dran, das Kaminzimmer hat ein paar bequeme Sofas und gemütliche Stimmung machen die Kachelöfen. Es gibt zwei Duschen, drei Toiletten, 15 Betten, zwei Kühlschränke und drei Spülen. Zum Schlafen könnt Ihr Euch frei über das Haus verteilen.

Umgebung

Um das Haus liegt eine riesige Obstwiese und alte Bäume spenden Schatten. Der Große Stechlinsee liegt ungefähr drei Kilometer durch den Wald. Auch der Roofensee in die andere Richtung ist zum Schwimmen und Spazieren klasse.
Überall in der Umgebung gibt es lokale Erzeuger. Die Faradgang hat für das Institut einen Haufen Fahrräder wieder flott gemacht, mit denen man auf Erkundungstouren gehen kann. Zum Biobauern, Fischer, Förster, Ziegenhof, Supermarkt, Bäcker oder Imker…

Geschichte

Das Gut Neu-Roofen wurde 1872 von einer preußischen Familie gegründet, die ihre Ländereien hier zur Landwirtschaft verwenden wollte. Weil der Sanderboden kaum Erträge brachte, verkaufte man Stück für Stück alle Äcker und tauschte irgendwann auch das Haus mit der Forst. In der Zwischenzeit wuchs Neuroofen zu einem kleinen Ort mitten im Wald, an dem Waldarbeiter und Förster ausgebildet wurden. Unter den Nationalsozialisten wurde das Haus erweitert und wurde dann für einige Tage 1945 zum Sitz des Oberkommandos der Wehrmacht. Nach dem Krieg fungierte das Haus als Flüchtlingslager, bevor die Forst in der DDR wieder den Betrieb aufnahm. Zwischenzeitlich war es auch mal Sommerferiencamp für Kinder, Kaufhalle und Jugendclub. Die unterschiedlichen Nutzungen und vielen BewohnerInnen haben alle ihre Spuren eingeschrieben. Nach dieser wechselvollen Geschichte hat die Stiftung Edith Maryon 2014 das Haus für das Stechlin-Institut erworben. Als das Stechlin-Institut einzog, wurde es erst mal bis auf die alten Wände entkernt. Barrierefreier Umbau und Renovierung sind für die nächsten Jahre geplant.