Künstlerisches Denken und Soziales Handeln

Quer zu denken und vermeintlich Unverrückbares in Frage zu stellen sind eine Notwendigkeit und Ressource zur positiven gesellschaftlichen Veränderung. Künstlerische Ansätze können nicht nur Impulse für die Gesellschaft geben, sondern sie aktiv mitgestalten.

Das Stechlin-Institut engagiert sich, um das Potenzial künstlerischen Denkens gesellschaftlich wirksam zu machen. Kunst wird an diesem Ort als soziale Praxis entwickelt und erprobt.

Neben zwei Residencies für Künstler*innen entsteht hier ein wachsendes Archiv für sozial engagierte Kunst.

 

Bisher können Künstler*innen im Rahmen der Stechlin-Dialoge Zeit im Haus verbringen.


Konzept

Sozial engagierte Kunst

Sozial engagierter Kunst liegt eine etwa hundertjährige Geschichte zugrunde. Künstlerische Praxis begreift sich dabei über den symbolischen Sinn hinaus als Werkzeug unmittelbaren sozialen Wandels. Heute beginnt sich eine wachsende Zahl von Künstler*innen wieder sehr bewusst und aktiv in soziale Felder zu begeben. Das Stechlin-Institut versteht sich als Akteur im Feld sozial engagierter Kunst. Es will das Potenzial künstlerischen Denkens gesellschaftlich wirksam machen und die Handlungsspielräume der Kunst erweitern.

Kunst am Stechlin-Institut

Wie Cornelius Castoriadis sind wir überzeugt von der “schöpferischen Einbildungskraft des Menschen als unerschöpfliche Quelle von Neuem und nie erlahmende Triebkraft der Selbstveränderung einer Gesellschaft.” Und das betrifft nicht nur Künstler*innen.

Künstlerisches Denken ist ein emanzipatorischer Prozess. Bernhard Waldenfels schreibt Künstler*innen eine besondere Fähigkeit zu, die darin besteht, Ambiguität auszuhalten. Er sagt sinngemäß: Künstler*innen machen sichtbar, was unsichtbar ist. Sie verändern nicht, was störend ist – sie produzieren eine andere Perspektive darauf. Die Kunst ist eine Disziplin, ein Verfahren, das Abweichung, Überraschendes, Überflüssiges sichtbar macht, um den Gang der normalen Erfahrung und Wahrnehmung zu durchbrechen.

Auch der temporäre Rückzug in ein “ländliches” Umfeld ist eine Strategie aus dem Kontext der Kunst mit dem Ziel der Übersicht, der Klärung. Das Zusammenleben der Teams von Non-Profit-Organisationen mit Künstler*innen bedeutet in erster Linie Auseinandersetzung mit einem vorerst fremden, zumindest anderen Lebensentwurf. Es sollte aber auch erwähnt werden, dass die Künstler*innen mit der gleichen Unsicherheit der Situation konfrontiert sind. Die Begegnung der Akteure findet demgemäß auf Augenhöhe statt und bietet allen das Potential, die eigene Situation zu reflektieren.

Archiv für sozial engagierte Kunst

Gemeinsam mit Anderen entwickeln wir ein Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung der Akteure im Feld sozial engagierter Kunst. Dazu arbeiten wir am Aufbau eines Archivs für sozial engagierte Kunst. Es sollen die Marginalisierung sozialer Praxen aufgelöst, Potentiale engagierter Kunst erschlossen und die Grundlagen für eine weiterführende Theorie und Praxis in diesem Bereich geschaffen werden.


Gespräche

Bei Kurzzeitstipendien am Stechlin-Institut waren bisher zu Gast:

2017

Milena Büsch & Daniela Kneip Velescu
Titus Spree & Nakazato Katsuhito
Dijana ze. Pavljasevic & Kai Tuchmann