Konzept

Künstlerisches Denken als Perspektive des Stechlin-Instituts.. Klimagerechtigkeit, der Schutz der Biodiversität und ein Ende der weltweiten Zerstörungen unserer Lebensgrundlagen sdie zentralen Herausforderungen aller Industrienationen. Die dafür absolut notwendige sozio-ökologische Transformation unserer Gesellschaften wird uns in den kommenden Jahren alle verfügbaren Kapazitäten abfordern. Der ehemalige Präsident des Wuppertal Instituts und Mitglied des Club of Rome, Uwe Schneidewind, hat in seinem letzten Buch: “Die Große Transformation – Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels”, den Begriff des “Zukunftskünstlers” geprägt – als Treiber des notwendigen Wandels . Ähnlich wie Bernhard Waldenfels erkennt Schneidewind in der Kunst ein Verfahren, das Abweichung, Überraschendes, Überflüssiges sichtbar machen kann, um den Gang der normalen Erfahrung und Wahrnehmung zu durchbrechen. Künstler geben Impulse für das Überwinden von Ambivalenzen und schaffen mit beschränkten Mitteln Unglaubliches. Fähigkeiten, auf die wir in unseren disruptiven Zeiten zwingend angewiesen sind. Damit fällt der Kunst, so sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellt, die bedeutsame Rolle zu, in ernsthaftem Spieltrieb neue Narrative auf dem Weg in eine de-karbonisierte und global gerechte Zukunft zu entwickeln. 

Am SI wird künstlerischer Produktion diese besondere gesellschaftliche Bedeutung beigemessen. Verstärkt wird das Potenzial der Künstler*innen noch durch die Begegnungen mit den Produzent*innen der NGOs und einzelnen Aktivisti. Die Mischung aus gesellschaftlicher Verantwortung und freiem künstlerischen Handeln machen das SI zum Reallabor einer lebenswerten Zukunft.


Stipendiat*innen 2021

Ilias Mavromantis

Ilias Mavromanis (Sound-Reportage “Interfere: Voices of Stechlin”) arbeitet als junger Künstler/Wissenschaftler an den Berührungspunkten von Ökologie und Sound im weitesten Sinne. Das Ergebnis ist eine wunderschöne, ca. 45minütige Sound-Reportage “Interfere: Voices of Stechlin”, die bereits zweimal im Radio (Colaboradio, RBB) zu hören und visuell untermalt, Teil des Rundgangs der UdK war. Beim Sommerfest 2022 wurde sie visuell durch Unterwasserbildern vom Stechlin begleitet.

Yandeh Sallah-Muhammed

Yandeh Sallah-Muhammed ist sowohl Director of Gambian Marine and Environmental Conservation Initiative, als auch frei arbeitende Performerin und Künstlerin. Sie hat ebenfalls den Stechlinsee als Thema gewählt. Als westafrikanische Frau eröffnet sie eine gänzlich neue Erzählperspektive, indem sie einen postkolonial-feministischen Ansatz mit einer animistisch-west-afrikanischen Narration verschränkt. Das Ergebnis ist ein Kurzfilm, der den Beginn einer Serie über Gewässer machen wird.

Yandeh Sallah-Muhammed hat die feministisch künstlerische Perspektive des Stechlinsees eingenommen. link

Kasiah Fudakowski & Philipp Moderson

The Intensive Independent International Amateur Academy (IIIAA), (“Convicting Concrete”, Produktion eines Stop-Motion-Features) Über mehrere Phasen haben Kasia Fudakowski und Philipp Modersohn – auch mit Unterstützung von weiteren Gästen – daran gearbeitet, die Rolle von Beton im Kontext der Klimakrise juristisch zu fokussieren und in klugen Narrationen in einem Stop-Motion-Film zu verhandeln.

Lone Haugaard Madsen

INHALT


Stipendiat*innen 2022

Björn Kroeger

Björn Kröger (künstlerisch-wissenschaftliches Buchprojekt zur Umweltgeschichte des Grossen Stechlinsees)
Auslöser dieser Arbeit war der fortschreitende, dramatisch schlechte Zustand des Stechlinsees in den letzten Jahren. Über den Zeitraum von 2 Jahren hat sich Björn mit der Rolle der Menschen bei der Eintrübung des Stechlinsees befasst. Die unzähligen historischen Dokumente hat Björn in seiner Zeit am SI um viele Interviews mit Akteuren rund um den Stechlin erweitert. Das Manuskript beginnt mit Björns sehr persönlichen Erlebnissen, die ihn, als Kind am Stechlin aufgewachsen, mit diesem besonderen Gewässer verbinden. Über die persönlichen Erfahrungen, die historischen Tatsachen und die Perspektiven aus den Interviews entwickelt Björn die Frage, die weit über die Lokalität und den Zustand des Sees hinausweist: Wie können wir unser Verhältnis als Menschen gegenüber dem Natürlichen, jenseits von Konsum, Extraktion und Ausbeutung, neu definieren?

Björn Kröger, in Neuglobsow am Stechlin aufgewachsen, dokumentierte umfänglich Suren (Ritzungen) verflossener Besucher des einsmaligen Klarwassersees. link

Theseas Efstathopoulos

Theseas Efstathopoulos (“Wormship”/Wurmkompostierung und “Kleinster Stechlinsee”/Feuchtbiotop)
Ausgehend von der Frage, wie der biologische Sphäre des Stechlin-Instituts durch menschliches Zutun verbessert werden könnte, hat sich Theseas vorgenommen, in zwei Feldern zu arbeiten: 1. Die Bereicherung des Bodens durch einen Wurmkompost. 2. Ein einfach herstellbares und zu pflegendes Feuchtgebiet zur Erhöhung der Biodiversität. An Beidem wurde unter besonderer Berücksichtigung vorhandener Ressourcen und ökologischer Bedingtheiten gearbeitet.

Robert Schnüll

Robert Schnüll (Potenziale dezentraler föderierter Netzwerke)
»Das Digitale ist politisch und somit auch dessen zugrundeliegende Infrastruktur – gerade in Kontexten von kulturellen Institutionen«
Was einst durch das World Wide Web als öffentlicher radikal neuer Raum – von jedem für jeden, erdacht wurde, wird mehr und mehr zentralisiert und geschlossen. Einst offene Plätze werden heute durch private Plattformen ersetzt. Wer bekommt welche Reichweite und welches Gehör? Wer bestimmt den Raum und das Medium? Am Stechlin-Institut untersucht Robert die Perspektiven des ländlichen Raumes auf die Konzeption eines dezentralen semantischen Datennetzwerkes. Wie könnten föderierte Netzwerke dazu beitragen, Entitäten des ländlichen Raums zu verknüpfen um zur Demokratisierung beizutragen? Mit Programmiercode als Werkzeug entwickelt Robert eine neue Semantik an der Schnittstelle von Code und gesellschaftlicher Verantwortung.

Susanne Bosch

Susanne Bosch Angesichts des drohenden Szenarios, daß Deutschland aufgrund der Klimakrise nennenswerte Teile seiner Wälder verliert, stellte sich Susanne die Frage: “Was ist eine optische Heimat, was macht Wald für mich so ungeheuer genussvoll, was verbinde ich mit Wald, körperlich, seelisch, historisch, in meinen Erinnerungen?” Und weiter: „Was macht Wald auch zu einem unheimlichen (uncanny) Ort, einem Ort der Geheimnisse oder des Verborgenen?” Ausgehend von diesen Fragen bot die Künstlerin für Interessierte insgesamt 4 nächtliche Spaziergänge als “Performative Walks” an, die ein Eintauchen in die Sphäre Wald ermöglichten.