Suffizient und Schön

Verhältnismäßig tief im Wald und nahe des, vormals klaren Stechlinsees, 80km nördlich von Berlin, steht das ehemalige Gutshaus Neuroofen. Das Haus wollen wir öffnen, den Ort künstlerisch nachhaltig, sozial und ökologisch entwickeln.

Ein inklusiver Ort, den Menschen gewidmet, die sich einmischen, denen Debatte und Erkenntnis nicht genug sind. Die eingreifen und handeln, die neue Ideen und Ideale in die Welt bringen und erproben

Wir sind überzeugt von der Kraft künstlerischen Denkens und sozialen Engagements. Quer zu denken und vermeintlich Unverrückbares in Frage zu stellen sind eine Notwendigkeit und Ressource zur positiven gesellschaftlichen Veränderung.

Das SI ist künstlerische Antwort auf suffizientes Leben, solidarische Kooperation, Wissenstransfer und hartnäckige Problemlösung.


Konzept

Das SI ist Resonanzraum für informierte und aufgeklärte Menschen, die sich der anstehenden gesellschaftlichen, also politischen, sozialen, ökologischen Veränderung bewusst sind, aufstehen und dem Widerstand revisionistischer Kräfte, nicht nur ein neues Bewusstsein für das Lebendige entgegen setzen, sondern versuchen künstlerisch ökologisch-resiliente und suffiziente Lebensräume zu schaffen. 

Städte wie Berlin, die in den ländlichen Raum diffundieren, bereichern diesen nicht nur um neue Mobilitäts- und Arbeitskonzepte, sondern eröffnen eine hybride Lebenswirklichkeit. Wir wollen diesen Freiraum mit Wissen anreichern und erproben inwieweit nachhaltig suffizientes Leben ausserhalb urbaner Zentren möglich ist. 


Kunst

Sozial engagierte Kunst

Sozial engagierter Kunst liegt eine etwa hundertjährige Geschichte zugrunde. Künstlerische Praxis begreift sich dabei über den symbolischen Sinn hinaus als Werkzeug unmittelbaren sozialen Wandels. Heute beginnt sich eine wachsende Zahl von Künstler*innen wieder sehr bewusst und aktiv in soziale Felder zu begeben. Das Stechlin-Institut versteht sich als Akteur im Feld sozial engagierter Kunst. Es will das Potenzial künstlerischen Denkens gesellschaftlich wirksam machen und die Handlungsspielräume der Kunst erweitern.

Kunst am Stechlin-Institut

Wie Cornelius Castoriadis sind wir überzeugt von der “schöpferischen Einbildungskraft des Menschen als unerschöpfliche Quelle von Neuem und nie erlahmende Triebkraft der Selbstveränderung einer Gesellschaft.” Und das betrifft nicht nur Künstler*innen.

Künstlerisches Denken ist ein emanzipatorischer Prozess. Bernhard Waldenfels schreibt Künstler*innen eine besondere Fähigkeit zu, die darin besteht, Ambiguität auszuhalten. Er sagt sinngemäß: Künstler*innen machen sichtbar, was unsichtbar ist. Sie verändern nicht, was störend ist – sie produzieren eine andere Perspektive darauf. Die Kunst ist eine Disziplin, ein Verfahren, das Abweichung, Überraschendes, Überflüssiges sichtbar macht, um den Gang der normalen Erfahrung und Wahrnehmung zu durchbrechen.

Auch der temporäre Rückzug in ein “ländliches” Umfeld ist eine Strategie aus dem Kontext der Kunst mit dem Ziel der Übersicht, der Klärung. Das Zusammenleben der Teams von Non-Profit-Organisationen mit Künstler*innen bedeutet in erster Linie Auseinandersetzung mit einem vorerst fremden, zumindest anderen Lebensentwurf. Es sollte aber auch erwähnt werden, dass die Künstler*innen mit der gleichen Unsicherheit der Situation konfrontiert sind. Die Begegnung der Akteure findet demgemäß auf Augenhöhe statt und bietet allen das Potential, die eigene Situation zu reflektieren.


Ort

Ein unbestimmter Ort, ein Haus voller Perspektiven, um sozial engagierten Menschen Resonanzraum zum Austausch, zur Reflektion und WeiterEntwicklung in der Gelassenheit der Natur zu geben. Das Stechlin-Institut ermöglicht Erfahrungen an der Schnittstelle von Neugier, Suffizienz und Gesellschaft, um durch ungewohnte andere Perspektiven, Teilhabe/Hingabe zu befördern. Wir sind überzeugt von der Kraft künstlerischen Denkens und nachhaltigen Engagements.

Der Ort ermöglicht Rückzug und Öffnung – die Gemeinschaft bietet Motivation und Perspektive.

Das Haus

Es ist ein altes Haus, das auch bei heißem Wetter kühl bleibt. Es hat pro Etage eine Fläche von rund 200 Quadratmetern. Momentan werden zwei Etagen zum Wohnen/Leben genutzt. Es gibt Betten für 15 Leute. Die Hauptetage kann beheizt werden, der Dachboden (hauptsächlich Schlafraum) ist noch ungedämmt.
Das Wifi ist ein Breitbandanschluss, mobiler Datenempfang ist allerdings eher mau. Noch ist das Haus nicht barrierefrei.

 

Die Räume

Die meisten Räume sind groß und offen – Einzel- oder Doppelzimmer gibt es nicht. An den Esstisch passen alle dran, das Kaminzimmer hat ein paar bequeme Sofas und gemütliche Stimmung machen die Kachelöfen. Es gibt zwei Duschen, drei Toiletten, 15 Betten, zwei Kühlschränke und drei Spülen. Zum Schlafen könnt Ihr Euch frei über das Haus verteilen.

Umgebung

Um das Haus liegt eine riesige Obstwiese und alte Bäume spenden Schatten. Der Große Stechlinsee liegt ungefähr drei Kilometer durch den Wald. Auch der Roofensee in die andere Richtung ist zum Schwimmen und Spazieren klasse.
Überall in der Umgebung gibt es lokale Erzeuger. Die Faradgang hat für das Institut einen Haufen Fahrräder wieder flott gemacht, mit denen man auf Erkundungstouren gehen kann. Zum Biobauern, Fischer, Förster, Ziegenhof, Supermarkt, Bäcker oder Imker…

Geschichte

Das Gut Neu-Roofen wurde 1872 von einer preußischen Familie gegründet, die ihre Ländereien hier zur Landwirtschaft verwenden wollte. Weil der Sanderboden kaum Erträge brachte, verkaufte man Stück für Stück alle Äcker und tauschte irgendwann auch das Haus mit der Forst. In der Zwischenzeit wuchs Neuroofen zu einem kleinen Ort mitten im Wald, an dem Waldarbeiter und Förster ausgebildet wurden. Unter den Nationalsozialisten wurde das Haus erweitert und wurde dann für einige Tage 1945 zum Sitz des Oberkommandos der Wehrmacht. Nach dem Krieg fungierte das Haus als Flüchtlingslager, bevor die Forst in der DDR wieder den Betrieb aufnahm. Zwischenzeitlich war es auch mal Sommerferiencamp für Kinder, Kaufhalle und Jugendclub. Die unterschiedlichen Nutzungen und vielen BewohnerInnen haben alle ihre Spuren eingeschrieben. Nach dieser wechselvollen Geschichte hat die Stiftung Edith Maryon 2014 das Haus für das Stechlin-Institut erworben. Als das Stechlin-Institut einzog, wurde es erst mal bis auf die alten Wände entkernt. Barrierefreier Umbau und Renovierung sind für die nächsten Jahre geplant.